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Bei der Preisverleihung: Willi Nowak (VCÖ), Johannes Müller (AIT), Bundesministerin Leonore Gewessler, Anita Graser (AIT), Ulrich Leth (TU Wien) und Florian Lorenz (lorenz consult)

AIT, TU Wien und Lorenz Consult erhalten VCÖ-Mobilitätspreis 2020 für Projekt "Superbe"

21. September 2020 | 08:34 Autor: APA-OTS Wien

Wien (A) Großer Erfolg für das Superbe-Konsortium: Anita Graser (AIT) und Florian Lorenz (lorenz consult) nahmen im Rahmen einer feierlichen Gala im Wiener Odeon Theater stellvertretend für das ganze Projektteam den VCÖ-Mobilitätspreis 2020 in der Kategorie „Forschung und wissenschaftliche Studien" entgegen. Im Rahmen von Superbe wurde das Potential des Planungskonzeptes Superblock im österreichischen Kontext untersucht. Dieses in Barcelona und anderen spanischen Städten bereits angewandte Konzept erlaubt eine Neuausrichtung der Prioritäten im Verkehr, um Straßenräume als Wohnumfelder von hoher Lebensqualität zu gestalten.

Mittels Superblock-Konzept die Stadt menschenfreundlicher gestalten
Die Schaffung von Superblocks gilt als zukunftsträchtige Strategie, um den öffentlichen Raum, die Mobilität und das Zusammenleben in einer Stadt neu zu organisieren. Dabei werden fußläufig erschließbare Häuserblocks zu einem sogenannten Superblock zusammengefasst und umfassende Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung gesetzt. Der motorisierte Verkehr wird in Hauptverkehrsadern am Rand des Superblocks entlanggeführt. Innerhalb des Superblocks entsteht dadurch eine große, zusammenhängende Begegnungszone ohne Durchzugsverkehr, in der sich Fußgänger und Radfahrer prioritär bewegen können und stationäre Nutzungen des öffentlichen Raumes möglich werden. Ziel ist es, den öffentlichen Raum zu attraktivieren und tatsächlich zum lebenswerten Wohnumfeld für die Bewohner der Stadt zu machen – während gleichzeitig Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel Raum finden und neue Möglichkeiten zur Förderung der lokalen Wirtschaft entstehen.

Superblocks in Österreich?
Superblocks sind mittlerweile in mehreren Städten Spaniens verwirklicht und stoßen auch international auf große Aufmerksamkeit. So wurden zum Beispiel auch in Berlin bereits erste „Kiezblocks“ durch Bürger initiiert. Nun wurde im Rahmen des Sondierungsprojekts Superbe das Potenzial einer möglichen Implementierung des Superblock-Modells in Wien aufgezeigt. Dabei verfolgte das Projektteam drei Ziele: Am Beispiel der Stadt Wien wurden – exemplarisch für österreichische Städte – (1) stadtmorphologische Quartierstypen als mögliche Anwendungsgebiete beschrieben, (2) Umsetzungskonzepte für drei Anwendungsgebiete (in den Wiener Gemeindebezirken Neubau, Hernals und Favoriten) ausgearbeitet, und (3) allgemeine Umsetzungsempfehlungen erarbeitet, um die Umsetzung in österreichischen Städten einschätzen zu können und mögliche Folgeprojekte vorzubereiten.

Harald Frey, Senior Scientist am Institut für Verkehrswissenschaften der TU, zur Ausgangslage: „Wien besitzt mit seiner Stadtstruktur, insbesondere mit der gründerzeitlichen Bebauungstypologie, hervorragende Voraussetzungen und enormes Potenzial zur Anwendung des Superblock-Konzeptes. Dieses begründet eine strukturierte Form flächenhafter Verkehrsberuhigung und folgt mit dem hierarchischen Prinzip von Straßenräumen einer schrittweisen faireren Aufteilung des öffentlichen Raumes zugunsten des Rad- und Fußverkehrs und der verbesserten Aufenthaltsqualität im Grätzel."

Anita Graser, Scientist am AIT Center for Mobility Systems, über die Arbeit im Projekt: „Mithilfe automatisierter räumlicher Analyseverfahren konnten wir potentielle Kandidaten für Superblöcke identifizieren und anschließend die verkehrlichen Auswirkungen eines Superblocks quantifizieren. Dabei haben wir besonderes Augenmerk auf die Verlagerung von Wegen, Akzeptanz von Verkehrsmitteln und resultierenden Modal Split, sowie CO2- und Energieeinsparungen gelegt."

Florian Lorenz, Landschaftsarchitekt und Prozessgestalter (lorenz consult) zu den stadtgestalterischen Potenzialen: „Superblocks sind eine Betrachtungsebene für die Stadtplanung, die es erlaubt, längerfristige Entwicklungsperspektiven umzusetzen und datengetrieben zu evaluieren. Diese fußläufig erschlossenen ,Dörfer in der Stadt' können sich auch als neue Sozialräume entwickeln und bieten Chancen für eine verstärkte Teilhabe von Bürgern an der Neugestaltung von Städten im Kontext globaler Herausforderungen."

Vielversprechende Ergebnisse
Im Rahmen der Studie zeigte sich deutlich, dass die Anwendung des Superblock-Prinzips in den drei Testgebieten mit zahlreichen positiven Effekten verbunden wäre: So würde der motorisierte Individualverkehr deutlich zurückgehen, und durch eine sukzessive Reduktion von Stellplätzen im öffentlichen Raum könnte mehr Platz für Menschen geschaffen werden. Bisher versiegelte Flächen könnten neue Freiraumnutzungen ermöglichen und als grüne Infrastruktur ausgestaltet werden. Die Straßenräume im Wohnumfeld würden dadurch wesentlich ruhiger und kühler und ermöglichten mehr sozialen Austausch. Dies würde wiederum längerfristig die lokale Wirtschaft beleben, da insbesondere Nahversorger und Lokale von mehr Menschen auf Straßen, die zum Verweilen einladen, profitieren würden. Und nicht zuletzt wären Superblocks ein Beitrag zu aktivem Umwelt- und Klimaschutz sowie zur Gesundheitsvorsorge, da Treibhausgasemissionen sinken und Gesundheitsbeeinträchtigungen der Bevölkerung zurück gehen würden.

Das Sondierungsprojekt Superbe wurde vom Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie (BMK) und der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) im Rahmen des Programms „Stadt der Zukunft" gefördert.

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