Kryptowährung für den Zahlungsverkehr: Kommt der PayPal Coin?

Kryptowährung für den Zahlungsverkehr: Kommt der PayPal Coin?

Dass sich die Welt der Kryptowährungen seit Einführung der Vorreiter rasant entwickeln würde, galt schon vor Jahren als sicher. Mit dem beachtlichen Aufstieg berühmter Währungen wie Bitcoin und Ethereum wuchs auch das Interesse der breiten Öffentlichkeit an Krypto. Nun könnte mit PayPal ein großer Dienstleister aus dem Finanzbereich eine Zukunft in der Branche des virtuellen Geldes planen. Erste Hinweise deuten in Richtung eines eigenen Stablecoins.
 
Unter jenen Anbietern, welche Finanzdienstleistungen für Endverbraucher entwickelt und ein vertrauenswürdiges Bezahlsystem aufgebaut haben, gilt PayPal als einer der wohl bekanntesten. Das Unternehmen erfreut sich heute einer riesigen, globalen Nutzergemeinschaft von über 400 Millionen Menschen. Die hohe Akzeptanz seitens der Kundschaft ist sowohl beim Onlineshopping als auch beim Transferieren von Geld an Privatkontakte ungebrochen.

Naheliegend erscheint es daher, dass sich das Unternehmen nun auch einem weiteren Interessengebiet, den Kryptowährungen, widmet. Bereits seit dem letzten Jahr können Trader Bitcoins mit PayPal kaufen, vorausgesetzt, man nutzt die Dienste aus den USA oder Großbritannien. Dort sind die digitalen Gelder schon vollends in das System integriert. Hierzulande müssen sich User noch geldulden, ehe die Krypto-Funktionen auch in weiteren europäischen Ländern verfügbar ist. Damit wurde eine Kooperation auf den Weg gebracht, die vor allem die breite Akzeptanz von Kryptowährungen voranbringen kann. Nun könnte bald auch ein eigener Coin die Kryptowelt bereichern.

Stablecoin soll Lücke im Zahlungsverkehr schließen
Dass PayPal möglicherweise an einem eigenen Coin arbeitet, entdeckte der Entwickler Steve Moser zufällig, als er im Quellcode der App verborgene Hinweise fand. An die breitere Öffentlichkeit gelangten die Informationen dann, als Bloomberg einen entsprechenden Artikel mit weiteren Hintergrundinformationen veröffentlichte.

Eine offizielle Bestätigung im Hinblick auf die Pläne gibt es inzwischen ebenfalls. So sollen die verborgenen Informationen Ergebnis eines Hackathons gewesen sein. Daher ist es durchaus denkbar, dass sich die finale Ausgestaltung des Projekts noch verändern wird. Fest steht indes, dass die Verantwortlichen bei PayPal schon länger eine Lücke im digitalen Zahlungsverkehr sehen. Bislang ist noch kein Coin perfekt auf den Zahlungsverkehr zugeschnitten.

Diese Lücke mit einem eigenen Stablecoin zu schließen, erscheint konsequent. Kommt der PayPal Coin, wird es aller Vermutung nach ein Coin mit Kopplung an den US-Dollar als Fiat-Währung sein. Dies schützt vor allzu starken Währungsschwankungen und könnte daher auch für Menschen interessant sein, die sich Kryptowährungen aus diesem Grund bislang nicht öffnen wollten.

Der Facebook-Coin und das PayPal-Projekt
Ein Blick in die jüngere Vergangenheit offenbart, dass Pläne zur Einführung von Coins und Kryptowährungen nicht immer von Erfolg gekrönt sind. Der Facebook-Coin Diem macht deutlich, dass das bloße Vorhaben nicht ausreicht, um es letztlich gewinnbringend abzuschließen. Geplant war seitens des Unternehmens, ebenfalls einen an eine Fiat-Währung gekoppelten Stablecoin einzuführen.
Wie aus einem Artikel von wiwo.de hervorgeht, geriet das Projekt jedoch schon bald ins Stocken. Der Grund: Die Regulierungsbehörden waren nicht begeistert von den Plänen und Facebook unternahm den Versuch, das Projekt dennoch zu realisieren. Der Untergang des Coins, der erst Libra und später Diem heißen sollte, ist heute besiegelt.
 
Für PayPal liefert die Geschichte rund um den Facebook-Coin wertvolles Know-how. Schon jetzt gab das Unternehmen offiziell an, dass es bei der Umsetzung des Stablecoin-Vorhabens eng mit Regulierungsbehörden zusammenarbeiten will. Das Auftreten PayPals ist also schon auf den ersten Metern weitaus zugewandter und kooperationsbereiter. Hinzu kommt der Plan, den US-Dollar als Fiat-Währung zu nutzen. Für Regulatoren aus den USA könnte dies ein klarer Pluspunkt sein.  
Behörden sollen mit ins Boot

Damit der PayPal-Coin auf solidem Boden entstehen kann, ist eine Zusammenarbeit PayPals mit den zuständigen Regulatoren nötig. Wer in diesem Zusammenhang kämpferisch auftritt, verschlechtert seine Chancen aller Vermutung nach deutlich.

Die Regulierungsbehörden der betroffenen Länder nämlich erachten das Geldmonopol als eine Aufgabe, welche den Staaten zufällt. Unternehmen aus der Privatwirtschaft sollen hier nach Möglichkeit keine Parallelstrukturen aufbauen, welche letztlich mit den staatlichen kollidieren könnten. Dass PayPal sich hier bereit zu Gesprächen zeigt, signalisiert Respekt.

So könnte der PayPal Coin den Kryptomarkt bereichern
Wenngleich PayPal sich in den vergangenen Monaten an der Börse auf einem spürbaren Abwärtstrend befand, sehen Experten bislang keinen Grund zur Sorge. Die Innovationskraft des Unternehmens ist ein Vorteil, der für einen großen Vorsprung zur Konkurrenz sorgte, welcher sich nun jedoch verkleinert. Mit dem Vorstoß in den Kryptobereich könnte sich PayPal auch aus dieser Lage befreien.
 
Für den Kryptomarkt selbst birgt das Projekt ebenfalls Potenzial. Öffnet sich ein so bekanntes und vertrauenswürdiges Unternehmen wie PayPal den Kryptos, wirkt sich dies möglicherweise auch auf die Wahrnehmung seitens der Geschäftswelt und der Verbraucher aus. Experten sehen daher gute Chancen für eine noch bessere Etablierung der Kryptowährungen im gesellschaftlichen Alltag.
Mit einem Stablecoin und der zugehörigen Stabilität dürfte sich darüber hinaus auch die Zielgruppe vergrößern. Zu erwarten ist dabei selbstverständlich auch, dass der PayPal-Coin künftig mit mehr Konkurrenz konfrontiert sein dürfte. Sicher scheint bei aller Vermutung und Spekulation: Wenn große Unternehmen mit globalem Einfluss Kryptowährungen als gangbaren Weg aufzeigen, ist der Übergang des Neuen in die Normalität möglicherweise nicht mehr fern. Ob und wann das so kommt, bleibt abzuwarten.

 

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