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Unternehmensinsolvenzen: Rückgang um 13,4% gegenüber des Vorjahres

25. März 2015 | 10:23 Autor: KSV1870 Startseite, Wien

Wien (A) Österreichs Unternehmen zeigen Resilienz: die eröffneten Verfahren sind um ca. 12 % auf 747 gefallen, die mangels Vermögens nicht eröffneten sogar um fast 16 %. Auch die Schulden der insolventen Unternehmen sind um ca. 38 % gesunken, auf EUR 292 Millionen. Die Zahl der betroffenen Dienstnehmer sank um 27 %.

Bundesländer im Vergleich:
In jedem Bundesland sind die Insolvenzzahlen rückläufig. Am stärksten in Tirol (- 36,5 %), gefolgt von Salzburg und Vorarlberg. Tirol war mit seinem Mix aus Industrie, Export und Dienstleistungen, seinem starken Tourismus, in der Vergangenheit oft Trendsetter. Auch die industriell starken Bundesländer Oberösterreich und Steiermark verzeichnen deutlich zweistellige Rückgänge. Auch sie zeigen damit Stärke angesichts der schon geraume Zeit schwächelnden Konjunktur.

Am geringsten ist der Insolvenzrückgang in den östlichen Bundesländern, auch Kärnten weist „nur“ einstellige Rückgänge auf.

Die Branchenentwicklung:
Manche Branchen reagieren schneller auf konjunkturelle Änderungen, andere sind eher „Nachzügler“, wie z. B. die Konsumgüter: Privater Konsum reagiert nicht so rasch und empfindlich auf konjunkturelle Einflüsse wie etwa die Investitionsgüterindustrie. Die drei Branchen mit den häufigsten Fällen und typischerweise auch hohen Passiva sind:

•    Bauwirtschaft:    
hohe inländische Wertschöpfung – hohe Insolvenzneigung durch viele kleine Betriebe, die oft ein Jahr nicht überdauern – hohe Zyklizität des Insolvenzaufkommens und Abhängigkeit von öffentlichen Budgets.

•    Gastgewerbe:
hohe Zahl an Betrieben in Österreich – dadurch eher unterdurchschnittlich insolvenzgeneigte Branche, aber regelmäßig hohe absolute Zahlen – durchschnittliche Passiva eher gering – viele Betriebe leben weiter, da sie gepachtet werden

•    Unternehmensbezogene Dienstleistungen:
Sammelbegriff für Tätigkeiten von Unternehmensberatung über Maklergewerbe bis zu diversen technischen Zuarbeitern im Bereich der Unternehmensführung: Schätzer für Immobilien ebenso wie diverse Online-Dienste oder Buchhaltung und Rechtsberatung – viele Unternehmen und durchschnittlich geringe Schulden.

Die Branche „Maschinen und Metall“ (fast alle metallbearbeitenden und sehr viele exportierende Betriebe) weist nicht selten sehr hohe Passiva aus. Österreich spielt als Zulieferer von Deutschland in diesem Bereich eine bedeutende Rolle, auch im Kontext der Weltwirtschaft und verfügt über viele, sehr profilierte Betriebe in dieser Branche.

Kommentar von Dr. Hans-Georg Kantner, Leiter Insolvenz des KSV1870:
Alle Zahlen zusammengenommen können schon Grund zur Zufriedenheit sein, wäre da nicht der Umstand, dass historisch einmalig niedrige Zinsen eine der wesentlich tragenden Säulen diese Entwicklung sind. Denn das Zinsniveau ist einer der stärksten Faktoren für die Insolvenzentwicklung: Bereits hoch verschuldete Unternehmen werden bei steigenden Zinsen ganz besonders hart getroffen und streng geprüft. Doch steigende Zinsen sind weit und breit nicht auszumachen. Daher darf diese gute Nachricht getrost ohne eine Prise Salz genossen werden.

Ausblick auf das Jahr 2015:
Die Zahlen eines ersten Quartals können noch keinen Trend für das Gesamtjahr zeichnen, dafür ist die Zeit zu knapp. Es hat sich auch historisch gezeigt, dass es Jahre gab, wo Zuwachs und Rückgang zwischen den Quartalen hin- und hergesprungen sind. Einen Rückgang in Höhe von 13,4 % gab es zuletzt im 2. Quartal 2011. Rückgänge (oder auch Zuwächse) in zweistelliger Höhe sind beileibe für einzelne Quartale keine Seltenheit. Daher wird frühestens zum Halbjahr 2015 eine Beurteilung des Trends möglich sein.

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