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Peter Szabó

Effective Single Conversations – oder wie Sie mit wenig Aufwand zur Lösung kommen

26. August 2015 | 10:00 Autor: Caroline Wirth | WIRTSCHAFTSZEIT Schweiz, Liechtenstein, Deutschland, Burgenland, Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Wien, Tirol, Vorarlberg, Österreich

Kritische Fragen und Skepsis. Damit ist Peter Szabo regelmäßig konfrontiert. Er bietet lösungsorientiertes Coaching, bzw. wie er es lieber formuliert – „effective single conversations“. In den meisten Fällen sieht oder hört er seine Kunden nur ein einziges Mal. Dies liegt jedoch nicht an der Unzufriedenheit der Kunden, sondern an der Effektivität seiner Sitzungen. Sie denken, so einfach kann es wirklich nicht sein? wirtschaftszeit.at hat dem Schweizer auf den Zahn gefühlt.

Herr Szabo, Sie bieten lösungsorientiertes Coaching an. Ich kann mir nicht so leicht ein Bild davon machen...
Das sollen Sie sich auch bitte nicht. Ich bin gerade dabei, beide Begriffe zu überwinden. „Lösungsorientiert“ ist etwas nichtssagend, daher verwende ich den Begriff nicht mehr sehr gerne. Und auch der Begriff Coaching ist etwas beliebig geworden. Deswegen gefällt mir die englische Übersetzung „effective single conversations“ am Besten. Generell sind meine Gespräche mit Kunden ein sehr kurzer Prozess, da ich im Regelfall nur ein bis zwei Gespräche mit ihnen führe. Ziel ist es, dass meine Kunden bereits nach kurzer Zeit entdecken, dass sie viel weiter fortgeschritten sind, als sie gedacht hätten und keine Unterstützung mehr von mir brauchen. Sie sollen möglichst schnell auf sich selber vertrauen und erkennen, was sie für Fähigkeiten haben. Schön wenn meine Kunden schon nach einem Gespräch merken, dass sie meine Hilfe nicht mehr brauchen und alleine zu Lösungen kommen können.

Sie bringen Ihre Kunden also in kürzester Zeit soweit, dass sie selbstständig das Problem lösen. Stärken Ihre Gespräche das Selbstbewusstsein der Kunden?
Zwei Sachen gefallen mir an der Frage nicht ganz: „Selbstbewusstsein stärken“ setzt voraus, dass wenig Selbstbewusstsein vorhanden ist. Und „stärken“ per se setzt voraus, dass der Coach etwas „magisches“ macht, wonach der Kunde dann stärker ist. Beides trifft für mich nicht zu. Kunden erinnern sich während des Gesprächs einfach daran, dass sie ihre Fähigkeiten kurzfristig vergessen haben. Das hat aber nichts mit Selbstbewusstsein zu tun, sondern mit der Art und Weise wie wir – wenn wir uns in Stresssituationen befinden – Teile der Wirklichkeit auf die Seite schieben und nicht mehr merken, was wir alles zur Verfügung haben. Statt auf vorhandene Fähigkeiten fokussieren wir auf das, was uns zu fehlen scheint.

Aber sind nicht je nach Problem mehrere Sitzungen wirkungsvoller?
Es gibt Menschen die seit Jahren dreimal die Woche zu einem Psychoanalysten gehen. Das ist das pure Gegenteil von dem was ich anbiete. Beim Coaching geht es mir darum, dass Kunden so schnell wie möglich alleine weitermachen können. Ich habe sehr viele Kollegen, die ebenfalls der Meinung sind, dass der Prozess etwas länger dauert. Amerikanische Coaches machen zum Beispiel am liebsten ein- bis zwei-Jahres-Verträge mit wöchentlichen Telefon-Anrufen. Die Zeitdauer hat aber nichts mit Coaching zu tun, sondern nur mit der Überzeugung des Coachs, wie lange es braucht, bis Unterstützung greifen kann. Zudem hängt es natürlich vom Kunden selber ab. Manchen Leuten reicht ein kurzes Gespräch, andere bevorzugen eben eine regelmäßige Unterstützung.

Es ist schwer vorstellbar: Sie kennen die Personen, die zu Ihnen kommen nicht und lernen sie in dem Sinne auch nicht gut kennen. Ist es nicht schwierig einzuschätzen, wie die Persönlichkeit dieser Person ist, um den richtigen Ansatz zu erwischen?
Natürlich ist das schwierig. Allerdings ist es in meiner Erfahrung auch nicht nötig. Ich verlasse mich lieber darauf, welche Handlungs-Optionen sich im gemeinsamen Gespräch entwickeln.

Somit ist für Sie irrelevant, was Ihre Kunden für eine Persönlichkeit haben? Wenn ein Kunde beispielsweise Lampenfieber hat und eine Präsentation halten muss, macht es dann für Sie keinen Unterschied, ob es eine introvertierte oder extrovertierte Person ist?
Genau. Ich vertraue darauf, dass die Kunden sich selber am besten kennen und wissen, was für sie und in ihrer Situation funktioniert und was nicht. Es ist eine Frage der Herangehensweise! Sehen Sie: Wenn ich Sie fragen würde, wo Sie Probleme haben oder feststecken, dann würde das Gespräch wohl wesentlich länger dauern. Denn Probleme zu überwinden ist zugegebenermaßen mühsam. Ich stelle stattdessen lieber die Frage, was Ihre kühnsten Hoffnungen für die erwünschten Auswirkungen unseres Gespräches sind. So sind Sie dazu eingeladen, mir bis ins Detail zu beschreiben, was nach dem Gespräch wie anders laufen soll. Wenn ich diese Frage stelle, sind die Chancen grösser, dass Sie im Laufe unserer Unterhaltung für sich selber realisierbare Lösungen erfinden und entwickeln.

Es ist dennoch schwer vorstellbar, dass man nach einer Stunde aus dem Gespräch herauskommt und selbstständig das Problem lösen kann...
Ja genau, das werden 100 Prozent Ihrer Leser ebenfalls überlegen, wenn sie das Interview lesen. Damit wir uns richtig verstehen: Nein, das Problem ist eben nicht nach einer Stunde gelöst. Wir überholen das Problem quasi links und ziehen ganz einfach daran vorbei. Dann liegt es hinter Ihnen und es spielt keine Rolle mehr, ob es gelöst ist oder nicht. Hauptsache Sie machen in Zukunft das, was Sie machen möchten.

Umgehe ich damit nicht das Problem, da ich mich nicht richtig damit auseinander setze? Ist da nicht die Gefahr, dass man sehr schnell in alte Gewohnheiten zurückfällt?
Das ist in der Tat eine mögliche Annahme über wirksame Veränderungen. Eine andere Annahme wäre, dass unsere Vorstellungen in der Vergangenheit nicht zwingend unsere Zukunft bestimmen müssen, sondern dass wir unsere Zukunft frei gestalten können. Ich habe eine ganz klare Präferenz für diese letztere Annahme. Es sind einfach zwei unterschiedliche Ideen über wirksame Veränderung. Ich empfinde die zweite Herangehensweise für meine Arbeit nützlicher. Gewisse Kunden würden beschreiben, dass sich bei ihnen bei unserem Gespräch so etwas wie ein Schalter umgelegt hat. Versuchen Sie sich folgendes vorzustellen: Auf der einen Position des Schalters glaubt man über sich Dinge wie, dass man wieder rückfällig wird und gewisse Sachen sehr lange Zeit brauchen, um verarbeitet zu werden. Der Kunde kann seine Wahlmöglichkeit nutzen und den Schalter kippen. Zwischen dem Problem und der Lösung gibt es gar keinen Zusammenhang. Dann macht es wenig Sinn sich lange damit zu beschäftigen.

Verzeihen Sie mir bitte, aber es ist schwer nachvollziehbar, dass die Effective Single Conversations so einfach funktionieren.
Vielleicht hilft ein Beispiel von letzter Woche: Eine Medizin-Studentin die schon zweimal durch dieselbe Prüfung gefallen ist, hat nur noch eine Chance sie zu bestehen, damit sie nicht für das ganze Studium gesperrt wird. Jetzt hat sie natürlich Angst vor der Prüfung und Panik vor den Konsequenzen des Scheiterns. Nachdem ich sie nach ihren Hoffnungen nach unserem Gespräch frage, sagt sie: „Ich möchte ruhig und gelassen in die Prüfung gehen. Egal wie die Prüfung ausgeht, möchte ich das mit der weisen Akzeptanz das Ergebnis akzeptieren und positiv in die Zukunft blicken.“ Sie schildert mir dann noch, dass „das mit der weisen Akzeptanz im letzten Jahr schon wesentlich besser geworden ist.“ Ich hake genau bei dieser Aussage nach und wir reden die verbleibenden 50 Minuten darüber, was sie in der letzten Zeit schon besser schafft, wie sie das hinbekommen hat und wie es sich auf ihr Leben auswirkt. Vier Tage darauf besteht sie die Prüfung mit einer Leichtigkeit, wie sie es mir schreibt. Wir haben weder über Angstbewältigung noch über Panikreduktion geredet. Ich habe also nicht die Probleme thematisiert, die im Weg stehen, sondern über ihre Fortschritte in letzter Zeit und wie sich diese auf die nächsten vier Tage nützlich auswirken könnten.

Ist es für Sie nicht ein Verlustgeschäft, wenn die Kunden nach einem Gespräch hinaus spazieren und dann nie mehr kommen?
Ich bekomme diese Frage seit 18 Jahren gestellt, wenn ich in Amerika Vorträge halte.. Die fragen mich ernsthaft, was das für ein schlechtes Businessmodell ist. Meine Antwort zur Beruhigung meiner amerikanischen Kollegen ist immer dieselbe: Sie arbeiten mit 15 Kunden im Jahr, die sie in der Regel ein bis zwei Jahre regelmäßig sehen. Nach dieser Zeit haben sie 15 Leute, die begeistert erzählen, wie nützlich ihre Arbeit ist. Wenn ich mit 500 Kunden eine Stunde lang arbeite, dann habe ich 500 Leute die mich ihrem Bekanntenkreis weiterempfehlen können.

Sie haben somit einfach zahlenmäßig viel mehr Referenzen, oder?
Ja, zudem ist aber auch die Botschaft der Leute, die bei mir waren, eine andere. Denn von ihnen hören Sie nicht, dass Sie sich über einen langen Zeitraum bei mir verpflichten „müssen“. Das ist ja meist auch eine Kostenfrage. Von meinen Kunden kommt eher der Ratschlag, es einfach auszuprobieren. Der Aufwand ist überschaubar und es kostet einmalig 350 Franken. Meine Kunden zahlen auch nur, wenn sie danach merken, dass unser Gespräch tatsächlich erfolgreich war. Die Schwelle ist einfach viel niedriger. Denn es klingt so, als könnte man kurzfristiger und spontaner entscheiden und weniger danach, als müsste man sich sehr gut überlegen, ob man sich wirklich auf einen längeren Prozess einlassen will.

Werden alle Ihre Kunden nur eine Stunde lang beraten?
Nein, das sage ich zu keinem Kunden. Ich habe ja keine Ahnung wie kompliziert, umständlich, schwierig oder mühsam die Situation ist, die mein Kunde daran hindert, so weiter zu machen wie er möchte. Ich überlasse das vollkommen ihm und kläre im Vorgespräch ab, wie viel Zeit er für nützlich hält. Danach orientieren wir uns. Wenn es schneller geht, dann umso besser für ihn! Aber die meisten meiner Kunden sagen, sie benötigen eine Stunde und das reicht ihnen dann meist aus. Was ich aber aus meiner Erfahrung heraus sagen kann ist, dass weit über 50 Prozent meiner Kunden nie mehr kommen, weil sie aus eigener Kraft weitermachen können. Ich habe keine Erklärung dafür, warum das so schnell geht. Es gibt auch kein Rezept. Aber es gibt eine Abmachung zu Beginn, um darauf hinzuweisen: Wie werden Sie merken, dass Sie kein weiteres Coaching mehr brauchen?


Zur Person:
Dr. Peter Szabó
ist Kurzzeit-Coach im Management-Bereich. Der 58-Jährige ist Gründer von Solutionsurfers International und Lehrbeauftragter für Coaching an mehreren Hochschulen. Szabó ist ein passionierter Wellenreiter und sieht sich als Nutzer von vorwärtsgerichteten Kräften auch außerhalb des Wassers. Um sein Wissen weiterzugeben, veröffentlichte er die Publikationen „Kurzzeitcoaching mit Langzeitwirkung (mit Insoo Kim Berg) und „Coaching – erfrischend einfach“ (mit Daniel Meier). Peter Szabó ist verheiratet und Vater von drei Kindern.

Symposium Angewandtes Coaching
18. September 2015 | 9.00 bis 17 Uhr | Zürich
Referenten: Marcel Meier, Thomas Freitag, Michael Gilgen, Ray Popoola, Dr. Peter Szabó, Bernhard Moestl, Dr. Sonja Radatz
Weitere Infos und Anmeldung: www.ipc-akademie.at


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