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Thomas Freitag

Unternehmensentscheide sind ein Gesamtkunstwerk

07. September 2015 | 15:45 Autor: Anna Ulmer | WIRTSCHAFTSZEIT Österreich, Deutschland, Liechtenstein, Burgenland, Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Wien, Tirol, Vorarlberg, Schweiz

Tagtäglich haben Führungskräfte eine Unmenge an Entscheidungen zu fällen. Wer ausgewogen und zentriert ist, kann gute Entscheidungen fällen. Warum diese dann als Gesamtkunstwerk betrachtet werden sollten und wie sie nicht nur gut, sondern auch nachhaltig gefällt werden, erklärt Thomas Freitag, Professional Certified Coach ICF.

Was ist Nachhaltigkeit für Sie?
Die Nachhaltigkeit beim Entscheiden ist für mich dann gegeben, wenn ich die Entscheidung im Nachhinein wieder gleich fällen würde. Ich mich also richtig entschieden habe und es nicht bereue.

Was ist eine nachhaltige Entscheidung?
Diese wurde bewusst gefällt und bewirkt etwas – in Richtung der Intention. Außerdem würde man beim nächsten Mal wieder gleich entscheiden, wenn man denselben Wissensstand hätte. Bei wichtigen Entscheidungen ist es also gut, die Argumente zu dokumentieren. So kann man später nachvollziehen, warum man damals so entschieden hat, es also auch im Nachhinein nachvollziehbar machen. Alles in allem bringt eine nachhaltige Entscheidung einen maximalen Nutzen für den Coachee.

Was ist dieser maximale Nutzen genau?
Auf der einen Seite ist das Unternehmen erfolgreicher. Das ist messbar durch tiefere Kosten und/oder einen höheren Umsatz. Andererseits geht es der Führungskraft besser, denn nachhaltige Entscheidungen machen das Leben und den Job einfacher.

Wie kann man nachhaltige Entscheidungen fällen?
Das ist immer ein Prozess. Der Coach braucht hier mehrere Kompetenzen dazu. Zum einen die Entscheidungskompetenz ob eher emotional oder rational gehandelt werden soll. Dann die Strategiekompetenz, um zu verstehen, was für den Coachee wichtig ist und natürlich die Feedbackkompetenz. Gleichzeitig muss der Coach die Dinge auf den Punkt formulieren können und ganz konsequent die Verantwortlichkeit zum Entscheiden an den Coachee geben. Im Prinzip muss der Coach nur ein Bewusstsein schaffen, in dem er reflektiert oder Argumente aufschreibt. Wenn dieses Bewusstsein beim Coachee gegeben ist, weiß dieser meist eh schon genau, wie er sich entscheiden möchte oder muss.

Man sagt, Demokratie fördert nachhaltiges Entscheiden. Wie ist Ihre Meinung dazu?
Das kann ich voll unterschreiben. Demokratisch gefällte Entscheidungen sind immer die nachhaltigeren. Wenn mehrere an der Entscheidungsfindung beteiligt sind, wird wesentlich bewusster mit dem Thema umgegangen und auch das Ergebnis dann viel bewusster umgesetzt.

Sollen auch Führungskräfte auf demokratischem Wege zu ihren Entscheidungen kommen?
Ja natürlich, allerdings anders, als das auf den ersten Blick anmutet. Eine Führungskraft kann nicht immer alle Mitarbeiter befragen, wie entschieden werden soll. Aber sie sollte ein Bewusstsein dafür haben, wer aller von der Entscheidung betroffen ist und darum ein berechtigtes Interesse daran hat. Mit dem Einbeziehen Betroffener schaffe man damit die Basis für Akzeptanz und damit Nachhaltigkeit der Entscheidung.
Gerade Schweizer erwarten von Ihren Chefs, dass sie zumindest angehört werden – selbst wenn der Chef sich dann anders entscheidet, tragen die Mitarbeiter seine Entscheidung so eher.

Und hier kommen wir zum Gesamtkunstwerk Unternehmensentscheid?
Ja genau. Es gibt bei Entscheidungen, die in Unternehmen getroffen werden so viele Sachen, die beachtet werden müssen. Von den Stakeholdern über die Auswirkungen für das Unternehmen bis hin zu ganz persönlichen Tendenzen der Führungskraft. Meiner Meinung nach gibt es von allem zwei Seiten und meine Aufgabe ist es, ein Bewusstsein für beide zu schaffen, damit die Entscheidung dann ganzheitlich und dadurch nachhaltig gefällt wird.

Zur Person: Thomas Freitag
Seine Laufbahn begann der 50-jährige als Betriebswirt mit dem Schwerpunkt auf der Arbeitspsychologie und sammelte vielfältige Erfahrungen auf Führungsebene. Wie Entscheidungen nachhaltig gefällt werden, hat er also auch in der Praxis gelernt. Als Professional Certified Coach und Verbandspräsident des ICF hat er sich intensiv mit ethischen Fragen des Coachings befasst. Ganz persönlich findet er es hilfreich zu sehen, dass man nicht alles entscheiden muss, sondern dass sich manche Sachen einfach selbst regeln.

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