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René Jonke, KSV1870 Steiermark

Großinsolvenzen prägen und trüben das Gesamtbild der Steiermark

22. September 2016 | 16:37 Autor: KSV1870 Steiermark

Graz (A) 548 Unternehmensinsolvenzen werden für das 1.-3. Quartal 2016 für die Steiermark vom KSV1870 Graz gemeldet. Das ist – so wie schon zum Halbjahr vermeldet - der niedrigste Wert seit 10 Jahren. Ebenso haben sich die betroffenen Arbeitsplätze auf 2.719 um 4,5% reduziert. Nach wie vor hoch ist der Schuldenberg der insolventen Unternehmen, welcher sich auf EUR 370 Mio., das ist ein Plus von 27,6 % gesteigert hat.

Bei den eröffneten Privatkonkursen ist ein Zuwachs um knapp 11,4 % feststellbar, wohingegen sich die dadurch verursachten Schäden um 3,7 % auf EUR 79 Mio. reduziert haben.

Unternehmensinsolvenzen: Rückgang um 4,4 %
In den ersten neun Monaten des Jahres wurden über 349 steirische Unternehmen Insolvenzverfahren eröffnet und kam es zu insgesamt 199 nichteröffneten Insolvenzverfahren (mangels kostendeckenden Vermögens). Somit wurden 548 Unternehmen insolvent. „So haben wir nach der Halbjahresstatistik das zweite Mal für 2016 den niedrigsten Wert seit 10 Jahren zu verkünden“, berichtet René Jonke, Leiter KSV1870 Niederlassung Graz.

Steiermark als eines von drei Bundesländern mit einem Insolvenzrückgang
Im österreichischen Durchschnitt sind die Unternehmensinsolvenzen in den ersten drei Quartalen 2016 um 2,8 % gestiegen. Mit Ausnahme der Steiermark, Niederösterreich und Kärnten verzeichnen alle Bundesländer Zuwächse. Die Steiermark ist im Bundesländervergleich mit 548 insolventen Firmen nach Niederösterreich an der zweiten Stelle beim Rückgang der Insolvenzen. Dies entspricht einem Minus von 4,4 % oder 25 Fällen. Von den Pleiten direkt betroffen sind rund 2.719 Dienstnehmer, dies entspricht einem Rückgang von 4,5 %.

Schäden aus Großinsolvenzen beeinflussen die Statistik negativ

Großinsolvenzen, wie aus der Liste der fünf größten steirischen Insolvenzfälle ersichtlich, prägen den negativen Teil der Statistik. „Aufgrund dieser haben sich in den ersten neun Monaten 2016 die Schäden der insolventen steirischen Unternehmen um 27,6 % auf EUR 370 Mio. gegenüber dem Vergleichszeitraum 2015 erhöht“, so René Jonke. Nach Anzahl finden sich unverändert das Gastgewerbe, die Bauwirtschaft und die Unternehmens-bezogenen Dienstleistungen unter den ersten Dreien im Ranking der Branchen.
Von den Großinsolvenzen sind die unterschiedlichsten Branchen betroffen.

Sanierungsverfahren als Erfolgsmodell
Rund 21 % der eröffneten steirischen Insolvenzverfahren wurden im laufenden Jahr als Sanierungsverfahren „mit“ oder „ohne“ Eigenverwaltung eröffnet. Wenn auch nicht alle Unternehmen sanierungsfähig sind, konnten doch einige, wie z.B. die Borckenstein GmbH, Steirerfrucht Betriebsgesellschaft m.b.H. & Co KG bzw. Apfel-Land Fruchtlogistik GmbH diese positiv (die Gläubiger haben deren Sanierungspläne mehrheitlich angenommen) abschließen. Dadurch können u.a. der Fortbetrieb der Unternehmen und auch der Erhalt von Arbeitsplätzen gesichert werden. 

Prognose
„Die Insolvenzzahlen geben noch keinen Anlass zu Optimismus. Das von einigen Wirtschaftsforschern prognostizierte Wachstum der österreichischen Wirtschaft muss erst einmal ankommen, um spürbar zu werden und so rechnen wir mit einem mäßigen Anstieg der Insolvenzzahlen für das letzte Quartal 2016. Trotzdem erwarten wir, dass auch am Ende des Jahres 2016 für die Steiermark der niedrigste Wert über die letzten 10 Jahre aufscheinen wird“, so René Jonke.

Privatkonkurse: Immer mehr entschulden sich
„In den ersten drei Quartalen des Jahres wurden 490 Konkurse über Private und ehemals Selbständige (rd. 39 %) eröffnet, das bedeutet einen Zuwachs um 11,4 % gegenüber dem Vergleichszeitraum 2015“, berichtet René Jonke.  

Rückgang bei der Einzelverschuldung um rund  13,4 %
Die eröffneten Privatkonkurse dienen der Regulierung der Schulden, welche in den ersten neun Monaten 2016 bei insgesamt EUR 79 Mio. lagen. Somit sind diese im Vergleich zum Vorjahr um rund 4 % gesunken. Gesamt betrachtet ergibt das pro Fall eine durchschnittliche Verschuldung von EUR 161.000,-- . Im Vorjahr betrug die durchschnittliche Verschuldung EUR 186.000,--.

Steiermark eines von drei  Bundesländern mit Zuwachs
Mit einem Zuwachs von 11,4 % ist die Steiermark, neben Oberösterreich und Niederösterreich jenes Bundesland, welches einen Zuwachs an sogenannten „Schuldenregulierungsverfahren“ aufweist. Alle anderen Bundesländer verbuchen einen Rückgang. Der Anstieg begründet sich auch darin, dass die Steiermark in den vergangenen Jahren - gemessen an den materiell zahlungsunfähigen Personen - wenige Insolvenzen gezählt hatte und als Nachzügler gilt.

Mit den Schulden nicht mehr zu Rand kommen
Die Hauptgründe, warum Menschen mit ihren Schulden nicht mehr zu Rand kommen, sind neben der Unfähigkeit, unternehmerische Schulden in zum Teil Millionenhöhe zu tilgen, der Verlust des Einkommens bzw. des Arbeitsplatzes. Aber auch persönliche Schicksalsschläge wie Scheidung und Krankheit spielen hier eine maßgebliche Rolle. Erst danach kommt Fahrlässigkeit wie der schlechte Umgang mit Geld bis hin zur Spielleidenschaft.

Prognose
„Aufgrund des latent großen Bedarfes nach Schuldenregulierung in der Bevölkerung ist der Zuwachs in der Steiermark als ein längst notwendiger Nachholeffekt bzw. Aufholeffekt anzusehen und rechnen wir für das laufende Jahr mit einem weiteren  Anstieg der Privatkonkursverfahren“, sagt René Jonke.

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