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WKO Steiermark Präsident Josef Herk (l.) und WKO Steiermark Direktor Karl-Heinz Dernoscheg bringen die Konjunkturumfrage auf den Punkt: „Erste positive Ansätze sind erkennbar – in der Gesamtsicht ist und bleibt die vorherrschende Konjunkturlage allerdings durchwachsen." (Foto: Fischer)

Steirisches Wirtschaftsbarometer: Erste Silberstreifen am Konjunkturhorizont

23. Juni 2015 | 15:21 Autor: WKO Österreich, Steiermark

Graz (A) Umsatz, Investitionen und Export entwickeln sich leicht positiv, trotzdem bleibt die Gesamtsicht getrübt. Das aktuelle Wirtschaftsbarometer der WKO weist den steirischen Betrieben hinsichtlich des vorherrschenden Wirtschaftsklimas zum achten Mal in Folge einen negativen Saldo aus: 32 Prozent der befragten Unternehmen erwarten eine Verschlechterung der Lage, nur 17 Prozent gehen von einer Besserung aus. Aber immerhin: Die meisten Trendpfeile zeigen nach oben, auch wenn sie im negativen Bereich liegen. Für WKO Steiermark Präsident Josef Herk und WKO Steiermark Direktor Karl-Heinz Dernoscheg sind das „erste Silberstreifen am Konjunkturhorizont“. Diese gelte es mit Strukturreformen zu stärken.

Erste positive Ansätze sind erkennbar – in der Gesamtsicht ist und bleibt die vorherrschende Konjunkturlage allerdings durchwachsen. So lautet kurzgefasst die Quintessenz des brandaktuellen Wirtschaftsbarometers der WKO Steiermark. Demnach fallen die Einschätzungen der steirischen Unternehmer zum bisherigen Geschäftsverlauf bezüglich Umsatz (+11,5%) und Investitionen (+6,1%) im Saldo zwar positiv aus, die große Trendumkehr ist daraus aber nicht erkennbar. Die Gesamtbeurteilung der wirtschaftlichen Lage fällt nämlich zum achten Mal in Folge negativ aus. Im Detail: 32 Prozent gehen von einer Verschlechterung aus, 17 Prozent von einer Besserung – ergibt unterm Strich ein Negativsaldo von -15 Prozentpunkten. Zur Erklärung: Diese Saldowerte werden berechnet aus den Unternehmen, die ihre Geschäftslage positiv bewerten, abgezogen jenen, die sie negativ beurteilen. Insgesamt 649 steirische Unternehmerinnen und Unternehmer haben an dieser Weiterentwicklung des traditionellen Konjunkturbarometers teilgenommen. Sie ermöglicht nun direkte Vergleiche mit den bundesweiten Ergebnissen und bildet nicht nur mehr den KMU-Bereich, sondern die gesamte Wirtschaft ab – vom Kleinstbetrieb bis zum Leitbetrieb. Mit interessanten Einblicken, wie WKO Steiermark Präsident Josef Herk betont: „Das steirische Konjunkturprofil ist zwar weiterhin größtenteils negativ, liegt aber mit wenigen Ausnahmen in fast allen Bereichen über dem Bundesschnitt. Getragen wird diese leichte Besserung vor allem von der Exportwirtschaft, also der internationalen Wirtschaftsdynamik, der Österreich leider noch immer hinterherhinkt. Um diese Lücke zu schließen braucht es eine neue Offenheit und Ehrlichkeit von Politik und Sozialpartnern gegenüber den vielen real existierenden Herausforderungen“, betont Herk.

So schätzen die steirischen Unternehmer die Geschäftsentwicklung ein
Im aktuellen Wirtschaftsbarometer melden 42,6 Prozent einen Anstieg und 31,1 Prozent einen Rückgang ihres bisherigen Gesamtumsatzes. Der daraus resultierende Saldo von +11,5 Prozentpunkten liegt zwar über den Salden von Frühjahr und Herbst 2014, bleibt aber deutlich hinter den Spitzenwerten konjunkturell guter Zeiten zurück. Auch der Erwartungssaldo von +2 Prozentpunkten deutet bislang auf keine rasche Besserung der steirischen Wirtschaftslage hin. Anders als beim Gesamtumsatz der vergangenen 12 Monate zeichnet sich bei der bisherigen Auftragslage eine negative Entwicklung ab. Der Saldo verringert sich auf -1,0 Prozentpunkte, womit rund 28 Prozent eine Steigerung und 29 Prozent eine Verringerung ihres Auftragsvolumens im Vergleich zum Vorjahr verzeichnen. Die Erwartungen an das kommende Jahr sind trotz Verbesserung des Erwartungssaldos auf  -4,8 Prozentpunkte weiterhin von Pessimismus getragen (optimistisch: 19,5 Prozent; pessimistisch: 24,3 Prozent). Hoch bleibt im Frühjahr 2015 der Druck auf die Verkaufspreise. In den vergangen 12 Monaten musste knapp jedes dritte Unternehmen seine Preise für Waren und Dienstleistungen senken. Ebenso viele und damit um 10 % mehr als im Frühjahr 2014 rechnen mit einem (weiteren) Rückgang ihres Preisniveaus im kommenden Jahr (Erwartungssaldo: -14,5 Prozentpunkte). Der Saldo der bisherigen Investitionen liegt zwar mit 6,1 Prozentpunkten erstmals seit Herbst 2011 wieder klar im positiven Bereich (Investitionen gestiegen: 32,6 Prozent; gesunken: 26,5 Prozent), die anhaltende wirtschaftliche Schwächephase drückt allerdings die Stimmung in Bezug auf die Investitionspläne für die Zukunft: Gut jeder dritte Betrieb rechnet mit einem Rückgang seines Investitionsvolumen, knapp jeder fünfte plant im kommenden Jahr gar keine Investitionen zu tätigen. Deutliche Beschäftigungsimpulse für den steirischen Arbeitsmarkt sind damit auch in nächster Zeit nicht zu erwarten. Obwohl seit Frühjahr 2014 etwas mehr Betriebe Personal eingestellt als abgebaut haben (Saldo: +1,5 Prozentpunkte), bleibt der Erwartungssaldo mit -8,1 Prozentpunkten im negativen Bereich (Personalaufstockung: 15,9 Prozent; Personalabbau: 23,9 Prozent). Herk: „Das steirische Geschäftsklima muss weiterhin als durchwegs unterkühlt bezeichnet werden, wenn auch in einigen Bereiche erste Anzeichen einer leichten Besserung sichtbar werden.“

Das steirische Konjunkturprofil im Österreichvergleich
Sowohl in Österreich als auch der Steiermark sind die Erwartungen in Bezug auf den Gesamtumsatz, die Auftragslage und die Investitionen überwiegend pessimistisch, wenngleich die Saldowerte in der Steiermark insgesamt besser ausfallen als im Bundesschnitt. Wie auch schon im Herbst 2014 drückt die schleppende Konjunkturentwicklung vor allem auf die Investitionsbereitschaft der Unternehmen: Gut jeder dritte österreichische und steirische Betrieb rechnet mit einem Rückgang seines Investitionsvolumens in den kommenden 12 Monaten. Die Erwartungssalden in Österreich und der Steiermark bleiben damit – trotz leichter Aufwärtsbewegung gegenüber der Herbst-Umfrage – klar unter der Nulllinie bei -16,7 bzw. -15,1 Prozentpunkten. Österreichweit plant jedes vierte Unternehmen (24,5 Prozent) gar keine Investitionen für das kommende Jahr, in der Steiermark trifft dies auf knapp jeden fünften Betrieb (18,1 Prozent) zu. Ähnlich sind im Vergleich zum Österreichschnitt hingegen die Motive investitionsgeneigter Unternehmen: Auch künftig werden Investitionen in erster Linie zur Deckung eines Ersatzbedarfs getätigt (Österreich: 55,1 Prozent; Steiermark: 57,8 Prozent). Positiv: Die Bereitschaft für Neuinvestitionen hat sich seit Herbst 2014 deutlich gebessert. In Österreich gehen 40,5 Prozent von Neuinvestitionen in den kommenden 12 Monaten aus, in der Steiermark sogar 47,5 Prozent. Dernoscheg: „Trotz dieses kleinen Lichtblicks sind die fehlenden Konjunkturimpulse nicht wegzuleugnen. Die Unternehmen sehen sich nach wie vor einem starken Preisdruck ausgesetzt. Sowohl der Saldo des bisherigen als auch des erwarteten Preisniveaus befindet sich in Österreich und der Steiermark unter der Nulllinie.“ Darunter leide wiederum auch der Arbeitsmarkt, so Dernoscheg weiter: „Mit negativen Erwartungssalden in Bezug auf die Beschäftigung im kommenden Jahr ist auch in nächster Zeit mit keiner Besserung der Arbeitsmarktsituation zu rechnen.“

Geschäftslage in den Regionen
Die Stimmung der Unternehmerschaft in Bezug auf das bisherige und erwartete Wirtschaftsklima zeigt sich in den steirischen Regionen weiterhin unterkühlt. Insbesondere in Liezen (Saldo bisher: -71,2 Prozentpunkte) und in der Süd-/Weststeiermark (-57,4) sehen die befragten Betriebe überwiegend eine Verschlechterung der allgemeinen Wirtschaftssituation seit Frühjahr 2014. Auch der Ausblick für die kommenden 12 Monate ist weitgehend getrübt. Einzig im Großraum Graz und im Murtal bleibt der Anteil an Pessimisten hinter jenem der Optimisten zurück (Erwartungssaldo Großraum Graz: +0,4 Prozentpunkte; Murtal: +5,5 Prozentpunkte). Die Unternehmen dieser beiden Regionen sehen damit deutlich zuversichtlicher den kommenden 12 Monaten entgegen als der Steiermarkschnitt (Erwartungssaldo:  -15 Prozentpunkte).

Export als Lichtblick
Erneut positiv entwickeln sich die Umsätze auf den Exportmärkten: Der Saldo des bisherigen Exportumsatzes erhöht sich auch im Frühjahr 2015 und steigt auf +22,7 Prozentpunkte. Anders als der Inlandsumsatz saldiert dieser somit im positiven Bereich (Saldo bisheriger Inlandsumsatz:  -6,1 Prozentpunkte). Auch die Erwartungen der befragten steirischen Exporteure sind von Optimismus gekennzeichnet: 35,1 Prozent rechnen in den kommenden 12 Monaten mit einer Umsatzsteigerung im Auslandsgeschäft, während nur 9 Prozent von einem Rückgang ausgehen. „Der Erwartungssaldo liegt daher bei +26,1 Prozentpunkten und unterstreicht abermals die zentrale Rolle des Außenhandels für die steirische Wirtschaft“, so Herk und Dernoscheg abschließend.

Wirtschaft fordert neue Offenheit in Politik und Sozialpartnerschaft
Die Notwendigkeit tiefgreifender Systemreformen liegt für die Führungsspitze der WKO Steiermark auf der Hand. Darüber hinaus brauche es aber auch ein Signal an die Unternehmerinnen und Unternehmer, „dass sich Leistung in diesem Land wieder lohnt“, betonen Herk und Dernoscheg: „Die Politik muss ein Zeichen für ein neues Vertrauensklima setzten.“ Drei Punkte liegen Herk und Dernoscheg dabei besonders am Herzen:

  • Reformen statt Belastungen in Land und Bund

Der neu ausgerufenen Zukunftspartnerschaft im Land müssen entsprechende Taten folgen. Die Experten der WKO haben hier umfassende Handlungsempfehlungen („Zukunft Steiermark 2020“) ausgearbeitet. Herk: „Wir erkennen den sichtbaren Reformgeist der neuen Regierung an und unterstützen selbstverständlich alle weiteren Reformbemühungen. Gleiches gilt für den Bund, wo endlich die Reformkräfte die Oberhand gewinnen müssen.“

  • Entbürokratisierungsmaßnahmen rasch in Angriff nehmen

Weniger ist mehr, sollte das neue Motto des Gesetzgebers lauten. Das beginnt bei den (oft willkürlichen) behördlichen Überprüfungen und reicht hin bis zu einer weiteren Reduktion der Beauftragten. „Allein dieses Beauftragtenunwesen, wie ich es nenne, kostet den steirischen Betrieben Jahr für Jahr mehr als 150 Millionen Euro“, schüttelt Herk den Kopf. Ein weiterer zentraler Punkt aus Sicht der WKO ist die oft schwierige Abgrenzung von Selbständigen und Unselbständigen. Hier sind die Grenzen oft unklar, Folge davon sind nicht selten existenzbedrohende Nachzahlungen an die GKK. „Das Minimum das jedem Unternehmer, ja jedem Bürger zusteht, ist Rechtssicherheit. Diese ist aus unserer Sicht hier nicht gegeben, da die zuständige Schlichtungsstelle sich als zahnlos erwiesen hat. Wir haben darum einen konkreten Lösungsvorschlag ausgearbeitet, den wir jetzt in die politischen Verhandlungen eingebracht haben“, berichtet Herk.

  • Arbeitsmarkt an Strukturwandel anpassen

„Die Forderungen von Arbeiterkammer und Gewerkschaft nach einer 35-Stunden-Woche, dem Überstundeneuro oder einer sechsten Urlaubswoche sind sozialromantische Themenverfehlungen“, findet Herk klare Worte. Mehr Flexibilität und Senkung der Lohnnebenkosten hieße das Gebot der Stunde. „Wir müssen den Arbeitsmarkt endlich dem Strukturwandel anpassen und die Lohnnebenkosten senken“, betont Herk abschließend.

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